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Die Wilde Karde – eine «umschwärmte Dame»

Die Wilde Karde (Dipsacus fullonum), ist eine Pflanze, die mit ihrer einzigartigen Erscheinung sowohl im Sommer als auch im Winter die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Im Sommer wächst die Wilde Karde zu einer imposanten, stacheligen bis zu 2 Meter hohen Erscheinung heran. Die unteren Blätter werden bis zu 30 Zentimeter lang, während die oberen Blätter paarweise den Stängel umschliessen und dabei kleine „Tüten“ bilden, in denen sich Regenwasser sammelt. Besonders auffällig sind die eiförmigen Blütenköpfe, die drei bis acht Zentimeter hoch werden können. Die Blüten öffnen sich ringförmig von der Mitte aus und bilden einen leuchtenden Kranz aus lilafarbenen Einzelblüten. Häufige Blütenbesucher sind verschiedene Insekten, vorwiegend Hummeln, die sich am Pollen- und Nektarangebot erfreuen.

Im Spätherbst verwandelt sich die Wilde Karde. Ihre einst lilafarbenen Blüten sind nun verwelkt und die Pflanze steht vertrocknet, aber immer noch anmutig und grazil in der Landschaft. Auf den ersten Blick scheint ihre Schönheit vergangen, doch in kalten, nebligen Nächten entfaltet sie einen besonderen Charme. Nämlich dann, wenn Väterchen Frost die Wilde Karde mit zarten Eiskristallen überzieht, wirkt sie wie ein verzaubertes Kunstwerk der Natur.

Die Wilde Karde ist auch im Winter für viele Tiere von grosser Bedeutung. Ihre zahlreichen Samen, die sie in ihren markanten Blütenköpfen bewahrt, sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel. Besonders Distelfinken (Stieglitze) sind häufig in kleinen Trupps zu beobachten, wie sie geschickt die Samen aus den trockenen Köpfen picken.

Mit ihrem vielfältigen Nahrungsangebot im Sommer und im Winter ist die Wilde Karde eine «umschwärmte Dame» in der heimischen Flora.

Silvia Rüegg-Bonelli